
Kaum einem Spiel kam in jüngerer Zeit mehr Bedeutung zu als diesem - dem Hinspiel im Halbfinale in der Europa-League. Nur Fulham trennt uns noch von dem Endspiel in unserer Stadt in unserem Stadion. Noch nie war Absturz und Erfolg so dicht beieinander. Auf der einen Seite ein Pokal, der in der HSV-Sammlung noch fehlt und auf der anderen Seite die schlechten Nachrichten um den Absturz in der Bundesliga-Tabelle. Unserer Farben tragen wir auch heute wieder. Es ist Donnerstag der 22. April 2010 und der Bully läuft mit sechs von acht Bully-Mitgliedern in Richtung Hamburg. Arbeitsbedingt mussten Schöni und Cord leider passen und ja – ich fahre. Eigentlich dachte, ich wäre schon safe aber die aktuelle Fahrerliste ließ mich befürchten, doch noch in die Fahrerlotterie am letzten Spieltag beteiligt zu sein. No no never. Lieber die Jungs am Donnerstag fahren als am letzten Heimspiel gegen Nürnberg am 01. Mai. Geht gar nicht. Aber nun zurück.
Gegen 17:30 Uhr erscheint Markus mit unserem Gefährt in Feiertagsbeschmückung bei mir und übergibt die Schlüssel. Die Sonne lacht und mit reichlich guter Laune an Bord werden Koko, Haberstrammski, Sir Witten und Hardy eingeladen. Über Bockel auf die A1 und mit 100 Sachen vorbei an Elsdorf in Richtung HSV. Zu diesem Zeitpunkt sind schon unzählige Fans auf der Bahn. Schwarz weiß blau wohin man schaut. Kaum mal eine Minute wo man keinen Bus oder Pkw mit diesen Farben sieht und sei es nur die Aufkleber auf'm Lack.
Ohne Probleme aber bei manchen mit gelb unterlaufenem Auge erreichen wir den Parkplatz. Erleichterung für so manchen, der seine Notdurft bis dahin unterdrücken konnte... Dank Nena und ihrem Konzert in der Color Line Arena ist der Parkplatz mal wieder gut gefüllt. Also anstellen in der 2. Reihe und siehe da – schon kommt Herr Kommissar und beglückt uns mit einem netten Souvenir. 15,- EUR für das Parken in Grünanlagen. Jupp, es gibt günstigere Parkplätze zumal wieder diversen Fahrzeughalter nicht in der Lage sind, ihr Gefährt geordnet abzustellen. Aber jetzt einfach wieder einsteigen und unseren angestammten Platz verlassen und sich auf eine neue Suche begeben. Nee – wir haben es ja! Also das arme Bundesland Hamburg mal wieder mit einer kleinen Geldspende gegen Spendenquittung unterstützen. Dass Weertzen und Lüneburg im Gegensatz zu uns kostenlos trotz verspäteter Anreise parken dürfen, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Zum Glück sind die Aussichten noch super: Stiefel[1]-Wetter!!! Nach diversen Fachgesprächen im Stile der DSF-Doppelpass-Runde und der ein oder anderen Kalt-Schorle geht’s Richtung Stadion.
Der Süd-Eingang war mal wieder für die ca. 2.500 Gäste reserviert also weiter zum West-Eingang. Gestärkt durch Heidi-Lachs[2] begaben wir uns in die Nord-Kurve. Dass Papier nicht mehr teuer ist, konnte man durch die für die Choreographie bestimmten Papieretiketten erkennen. Auf jedem Platz lag ein Block mit hunderten Härke-Etiketten[3], die zu Spielbeginn in der Luft verteilt werden sollten. Und dann war es soweit 21:00 Uhr und die Mannschaften betreten die Arena. Die Zuschauer beginnen mit ihrer Choreographie. Die Westgerade versinkt in riesigen blauen Buchstaben HSV mit schwarzer Umrandung auf weißem Grund. Und da sind sie wieder - unsere 3 Farben und damit der Grund, warum sich in Hamburg spät abends mitten in der Woche ca. 50.000 Leute treffen. Die Stimmung ist bombig und Sprechchöre hallen durch's Stadion. Es ist angerichtet!
Diese Stimmung verflacht angesichts der verschleppenden Spielweise unserer Kreativabteilung allerdings zusehends. Erst zum Ende der 2. Halbzeit macht unser HSV richtig Druck und dann ist sie wieder da – diese Kulisse aus den 3 Farben und dem Geschrei aus 50.000 Kehlen. Es hilft nichts, mit einem 0:0 ist dieses erste Kapitel Halbfinale nach 93 Minuten schließlich vorbei. Nicht Fisch nicht Fleich. Ich versuche dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen, denn je schlechter zuletzt das Hinspiel-Ergebnis (1:0 Eindhoven, 3:1 Anderlecht, 2:1 Lüttich) in der Europa-League wurde, desto klarer wurden doch die Rückspiele (2:3 Eindhoven, 3:4 Anderlecht, 3:1 Lüttich) bestritten. Also Kopf hoch und darauf vertrauen, dass sich unsere Jungs nächste Woche für die Realisierung des Traums zerreißen.
Gegen 23:20 erreichen wir wieder unseren Parkplatz und brechen nach kurzer Zeit wieder Richtung Heimat auf. Kalt ist es geworden, so dass ich als Fahrer dazu genötigt werde, die Heizung im Bully anzustellen. Sogar der alte Monaco-Kämpfer Markus friert jetzt – unglaublich! Die Esso wird zur Stärkung und Mobilisierung der lezten Reserven angesteuert bevor es auf die Bahn geht. In Windeseile passieren wir Waltershof, Moorburg, Heimfeld, Tötensen, Rade, Hollenstedt, Heidenau, um schließlich über Sittensen um ca. 00:18 Uhr den Koko wieder zu Hause abzuliefern. Ein Tag endet und ich kann jetzt nachdem ich Sir Witten als Letzten nach Hause gebracht habe sagen: DAS war garantiert (!) meine letzte Tour als Fahrer in der Saison 2009/2010!!! Allen Fahrern (01. Mai gegen Nürnberg und 12. Mai Endspiel?) kann ich nur viel Glück wünschen, denn dann bin ich wieder als Mitfahrer dabei und so sage ich Tschüß bis zur Saison 2010/2011...
Elli
[1] Der Stiefel (Synonym: Boot, vom englischen Wort für Stiefel) ist eine Schuhgrundform und stellt daher eine Art der Fußbekleidung dar. Gegenüber dem nur bis zur Fußbeuge reichenden Halbschuh ist ein Stiefel ein Schuh, dessen Schaft (fachsprachlich für das Oberteil des Schuhs, in Abgrenzung zum Schuhboden) bis mindestens über den Knöchel reicht. Der Stiefelschaft wird nochmals grob untergliedert in den Fußteil und das sich daran anschließende, nach oben reichende Rohr (allgemeinsprachlich "Schaft" genannt) – Quelle: Wikipedia
[2] Heidi-Lachs
Heide Rickmann; Fischhandel und Räucherei
Am Lunedeich 78, 27572 Bremerhaven-Fischereihafen
Tel: 04 71-7 27 57
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[3] Härke